Die Höhenkrankheit und eine Medizin namens "Kokain"



Ich wollte mir nach dem Mittagessen eigentlich nur ein wenig von dem kleinen Städtchen anschauen. Hatte mir ein wenig die Stände mit den verschiedenen Kleidungsstücken aus den typisch-bolivianischen Mustern angeschaut. War den Weg langsam wieder hochgelaufen und hatte mich in dem Moment schon ein wenig seltsam gefühlt. Die Luft war sehr dünn, man fühlte sich so als würde man schweben und mein Herz pochte auf einmal wie wild. So etwas hatte ich damals noch nie gefühlt und war sehr verwirrt. Bis ich dann erfuhr, dass dies die Höhenkrankheit sei. Diese machte sich dann auch noch in Kopfschmerzen und einem unerklärlichen „realitätsfernen“ Gefühl breit. Als wir uns dann abends in ein Lokal setzten, uns ein wenig mit einem Niederländer unterhielten und ich mir einen der berühmten Kokain-Tees geholt hatte, die ja so super dagegen helfen sollten, da ging es nur noch bergab. Als alle dann schon weg waren, unterhielt ich mich noch ein wenig mit dem Niederländer auf meiner zweiten Muttersprache, um dann aus dem Nichts aus dem Lokal zu stürmen, ins Motel hinein, ins Zimmer hinein, die Badezimmertür flog auf und ich beugte mich über die Toilettenschüssel, um alles rauszulassen. Was eigentlich hauptsächlich nur Wasser, Cracker und Spinatcannelloni waren. Auch danach ging es mir nicht wirklich besser, und ich vegetierte auf meinem Bett nur so vor mich hin, bis ich dann plötzlich am nächsten Morgen aufwachte. Ich sags euch, es gibt wirklich nichts Unangenehmeres, als mitten auf der Reise krank zu werden!
Im strömenden Regen begaben wir uns zum Bus, wollten uns eigentlich müde auf unsere Sitze fallen lassen, wurden aber dann tatsächlich wieder aufgescheucht und zum Zoll gebracht. Ich weiß wirklich nicht, wieso wir da wieder Probleme hatten, aber als alle Leute schon lange wieder in den Bussen saßen, standen wir immer noch am Zoll und mussten als „offizielle Bolivianer“ eine höhere Summe zahlen. Die Beamten in den Behörden ließen sich außerordentlich viel Zeit und der Busfahrer drängte, denn wir hatten eigentlich nur eine halbe Stunde Zeit an der Grenze, um den Anschlussbus zu bekommen. Irgendwann, schon auf der peruanischen Seite, bekamen wir langsam aber sicher die letzten Stempel einer Beamtin, die von ihren drei Kollegen dabei seelenruhig beobachtet wurde. Wir können von Glück sprechen, dass um den Zeitpunkt der Busfahrer noch nicht über alle Berge war.

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